Unter dem Motto „Science Fiction mal anders“ haben sich vom 4. bis 9. Februar etwa einhundert Kinder und Jugendliche im Volkstheater Rostock und in der Borwinstraße 7 auf eine Zeitreise in das Jahr 2063 begeben. Unter Anleitung von Experten und Pädagogen haben sie in sieben „Laboren“ verschiedene Zukunftsvisionen für die Hansestadt entworfen, die am Sonnabend ab 15 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters präsentiert werden.
Wenn man – wie ich – in der Mittagspause mit Filmemacher Mark Auerbach auf Zeitreise geht, rechnet man vielleicht mit ein paar Überraschungen, aber beim Anblick seines Assistenten Max Gleschinski fühle ich mich dann doch kurz wie in “Nosferatu” oder “Clockwork Orange“. Weiß geschminkt, dunkle Ringe unter den Augen, ein mit rotem Matsch verschmierter Kittel, schwarzer Hut – so steht er im Foyer des Großen Hauses und erklärt mir etwas später in der Kantine bei Fischfilet mit Kartoffelpü, dass er im Film der jüngsten Kursteilnehmerinnen (11 Jahre alt) eine Horrorgestalt aus der Zukunft spiele. Puh. In dem Aufzug kann man aber auch wirklich nur im Theater Mittag essen gehen.
Mark Auerbach sieht daneben ganz normal aus und erzählt zwischen zwei Bissen Mischgemüse, was in seinem Kunstlabor 6 gerade entsteht: „Wir haben als großes Thema die Frage gestellt, ‚Wie war’s damals eigentlich – im Jahre 2013’, das heißt, in unserem Kurs müssen alle erst gedanklich in die Zukunft reisen, also ins Jahr 2063, und dann zurückblicken in die Vergangenheit 2013.“ Aha. Ich verrenke mir die Gehirnwindungen und schaffe den Gedankensprung. „Aus den Ideen, die die Kinder und Jugendlichen dazu hatten, drehen wir gerade mehrere Kurzfilme, die als Sequenzen in einen Rahmenfilm eingebaut werden.“ In diesem Rahmenfilm führen die Profis Regie (Mark Auerbach), bedienen die Kamera (Max Gleschinski) und schauspielern (Steffen Schreier), damit der filmische Nachwuchs lernt, wie es aussehen soll. Dann legen sie selbst Hand an.
Ins Schwärmen gerät Mark Auerbach, als er von der Initiatorin von Rostocks erstem Kunstlabor erzählt, der freien Fotografin und Theaterpädagogin Beate Nelken. „Wenn manche Leute befürchten, das Ergebnis eines Projekts wird nicht so gut, retten sie sich mit dem Spruch ‚Der Weg ist das Ziel’, bei Beate Nelken ist das aber wirklich so.“ Sie hat das Kunstlabor ganz bewusst zur Ferienzeit organisiert, um Kindern und Jugendlichen ein kulturelles Programm anzubieten, „vor allem solchen Kindern, die von allein vielleicht nicht teilgenommen hätten, aus dem Asylbewerberheim am Neuen Friedhof zum Beispiel.“ Ich sehe mich im Essenraum um und entdecke tatsächlich eine bunte Mischung verschiedener Altersgruppen und Hautfarben, irgendwo dazwischen auch Beate Nelken. In der Theaterkantine habe ich sie nicht mehr erwischt, ich musste zurück in das Jahr 2013, nach Hause, und meinen Artikel schreiben.
Das Institut für neue Medien hat für Mark Auerbach und seinen Kurs die Seminarräume in der Borwinstarße 7 samt technischer Ausstattung bereitgestellt und unterstützt so Rostocks erstes Kunstlabor.
Redakteur: Änne Cordes