Auswahlgremium OFF Rossija: Matthias Spehr, Anna Bieber, Olga Bogdanova, Toni Altmann

Hexe Baba Jaga Tetris, Wodka – das ist offensichtlich Russland. Oder etwa nicht? Davon können sich alle FiSH-Besucher bei diesjährigen Gastlandfenster OFF Rossija ein eigenes (oder auch neues) Bild machen. Denn das präsentiert Russland aus russischer Perspektive: Sieben frisch ausgewählte Kurzfilme werden bei OFF Rossija im M.A.U. Club gezeigt. Es ist nur ein Bruchteil dessen, was die junge Filmszene unseres baltischen Nachbarlandes fleißig gefilmt hat, da zum diesjährigen Gastlandfenster rekordverdächtige 79 Filme von jungen russischen Filmemachern eingereicht wurden.

Zwei Stunden lang öffnet sich am FiSH-Samstag das Gastlandfenster, um die junge Filmszene Russlands mithilfe von sieben Filmen (drei aus Sankt Petersburg, vier aus Moskau) kennenzulernen. Und zwar nicht nur per Filmmaterial, sondern auch im direkten Kontakt. “Wir laden alle Macher der sieben ausgewählten Filme ein und hoffen, dass viele zusagen, damit wir gemeinsam über den Tellerrand gucken können”, erklärt Olga Bogdanova, die zuständige Mitarbeiterin für das Gastlandfenster im Festivalbüro.

Denn dort gäbe es viel zu sehen. “Es gibt ein breites Spektrum und wir haben versucht das in den zwei Stunden auch abbilden zu können, was bei einem riesigen Land wie Russland natürlich schwer ist”, sagt Juryleiter Matthias Spehr. So sei die Auswahl ein wenig eingeschränkt worden, erzählt Olga Bogdanova: “Wir können nicht ganz Russland widerspiegeln, bis Sibirien wäre das viel zu weit weg. Aber wir wollten auf jeden Fall die Ostseeregion zeigen, und File aus Moskau, um die russische Botschaft für das FiSH zu begeistern.” Von den 79 Einreichungen kämen daher gerade einmal zehn Filme nicht aus Moskau oder Sankt Petersburg. Dennoch sind sich Bogdanova und Spehr einig, eine gute Auswahl getroffen zu haben. “Auch wenn die russischen Filme alle unterschiedlich sind, gibt es doch klare Tendenzen: Sie haben sehr gute Bilder, sind aber nicht so dynamisch wie deutsche Filme – mal war das gut, mal langweilig”, sagt die gebürtige Ukrainerin. Und Juryleiter Matthias Spehr ergänzt: “Die russischen Filme sind deutlich ruhiger, gelassener und emotionaler als die deutschen, zeigen einen klassischen Stil und blicken vier stärker auf die Familie. Ich denke, wir haben eine gute Auswahl getroffen: Bei den Filmen kann man den Herzschlag Russlands spüren und wir werden damit auch der russischen Animationsfilmtradition gerecht”.

Und der Filmszene Russlands, die sich auch deutlich voneinander unterscheide. “Die meisten Filme sind entweder von Leuten um die 25 Jahre oder von Kindergruppen – das dazwischen fehlt”, stellt die OFF Rossija Expertin fest. Und setzt direkt eine Erklärung hinterher: “Ich denke, dass es da auh keine gibt, weil die Leute dann studieren. Und wenn sie Film studieren entstehen die Filme eben erst zum Ende des Studiums.” Die enststandenen Werke wiesen eine weitere Ausprägung auf: “Sie sind länger. Die meisten Filme sind mindestens 20 Minuten lang, richtig kurze Zwei-Minuten-Clips gibt es dort gar nicht”, so Bogdanova.

Russland ist das vorletzte der baltischen Gastlandfenster, die seit sieben Jahren einen Blick auf die junge Filmszene rund um die Ostsee gewähren. “Nächstes Jahr kommt Lettland, dann sind wir einmal die gesamte Ostsee abgefahren. Für das, was danach kommt, sind wir noch offen”, umreißt Matthias Spehr die Zukunft vage.

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